Insel der Gl
Posted By :  Isabelle   on   10 Aug 2021

In der griechischen Mythologie sind die Inseln der Glückseligen (griechisch Elysion) im äußersten Westen des damaligen Erdkreises. Hierhin wurden die Helden der Antike entsandt, um als Unsterbliche ein glückliches Leben zu führen. Die Helden des Alltags in unseren Tagen müssen sich jedoch die Orte zum glücklich werden selber suchen – zumindest jene für die wenigen Urlaubswochen des Jahres.

Lassen wir mal den Aspekt komplett außen vor, dass man nicht weiß, wo man überhaupt noch hinfliegen kann, ohne Gefahr zu laufen, in seinem wohlverdienten Urlaub nomen est omen zu „stranden“ und durch kein Hilfspaket der Welt wieder an den Heimatort zurück gebracht wird. Die Ferien sind schon nahezu ein heiliges Gut, auf das man nur schweren Herzens verzichtet.

Eine ungetrübte Auszeit vom Alltag kann man sich jedoch von einer kleinen eleganten Privatinsel mit beeindruckendem Yacht-hafen in der nördlichen Adria im Golf von Venedig versprechen. Insel? Privatinsel? Hört sich nach Urlaubsdomizil von Brad Pitt, Lady Gaga und wilden Partys an. Weit gefehlt. Die „Isola Albarella“ ist das glatte Gegenteil. Eine Insel für jedermann und damit auch besonders und gerade für die ganze Familie. Sie liegt recht abgeschieden, geradezu autark, ca. 80 Kilometer südlich von Venedig und ca. 100 Kilometer nördlich von Ravenna in der Gemeinde Rosolina im UNESCO Welterbe und Biosphärenreservat des Podeltas. Sie ist ähnlich wie Sylt nur über eine 10 Kilometer lange Dammstraße mit dem Festland verbunden.

Gerade einmal fünf Kilometer lang und 1,5 Kilometer breit ist das grüne Eiland. 2.500 Privateigentümer sind heute stolze Besitzer eines Feriendomizils. Viele davon mit eigenem Swimmingpool. Auch nennenswert viele Deutsche haben sich hier eine Ferienimmobilie angelacht.

Im 14. Jahrhundert war der oft zu Hochwasser neigende mächtige Strom des Po‘s eine ständige Bedrohung der Lagunenstadt Venedig. Zwischen 1600 und 1604 wurde der Lauf des Flusses in Richtung Süden verlagert. Demzufolge bildeten sich aus Schwemmland viele neue Inseln. Eine davon: die „Isola Albarella“. Die Republik Venedig hat sie einst an Aristokraten versteigert. Im Laufe der Jahrhunderte hat die Insel mehrfach die Besitzer gewechselt. Touristisch erschlossen wird die Insel erst Anfang der Sechziger Jahre. In den Achtziger Jahren erfolgt der kontinuierliche Ausbau auf ein für die damalige Zeit schon sehr ansprechendes touristisches Konzept für den Sport-, Bade- und Familienurlaub. Der jüngste Verkauf erfolgte im Jahr 1988. Die Eigentümer rund um die Schweizer Kreditanstalt verkauften Albarella an den italienischen Stahlkonzern Marcegaglia. Auch der Unternehmer und spätere Regierungschef Berlusconi hatte großes Interesse, die Insel seinem Imperium einzuverleiben. Doch die Auflagen der Verkäufer passten wohl nicht in sein Weltbild. Denn vertraglich sollte festgesetzt werden, dass der Käufer das Naturnahe – heute würde man sagen „das grüne, nachhaltige Konzept“ weiterverfolgt.

Albarella, die europaweit einzige für Touristen erschlossene Privatinsel, ist von der Außenwelt regelrecht abgeriegelt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Schranke mit dazugehörigem Wächter können nur Eigentümer der Ferienimmobilien oder Urlaubsgäste, die ein Ferienhaus, Villa, Appartement oder ein Hotelzimmer gebucht haben, passieren. Das Thema Sicherheit steht aber auch ganz oben auf der Agenda der „Marcegaglia Hotels & Resort“- Gruppe.

Durch diese strikte Kontrolle ist es Tagesgästen nicht möglich, auf die Insel zu kommen und beispielsweise die Strände zu überfluten! Apropos Sicherheit: es gibt auf Albarella sogar eine eigene Inselpolizei, die „Vigilanza“, die die Einhaltung der überall gültigen 30-Kilometer-Höchstgeschwindig-keit überwacht und Security-Kontrollfahrten über die Insel macht. Nur aus Jux und Dollerei im Schritttempo mit dem Auto über die Insel zu fahren ist ebenfalls nicht zulässig. Aber das Auto braucht man ja eigentlich nur zur An- und Abreise. Die Anmietung eines von 1.500 vorrätigen Fahrrädern zur Erkundung der Insel, zum Einkaufen und zur Fahrt an den Strand gehört zum ersten „must do.“ Überall gilt das Gebot: Fußgänger first! Als nächstes haben die Radfahrer Vorfahrt, dann kommen die zahlreichen Golfwagen und erst zu guter Letzt in der PS-Kette sind die Automobile dran. Radfahrer dürfen als einzige Verkehrsteilnehmer sämtliche Einbahn-straßen befahren. Und die gibt es auf Albarella zur Genüge.

Hat man nach dem Einchecken an der Rezeption, die sich am Eingang der Insel befindet, erst einmal die Schranke passiert, kommt schnell das Gefühl auf, in eine andere Welt einzutauchen. Gerade einmal 10 Minuten entfernt auf dem Festland ticken die Uhren noch in einer ganz anderen Geschwindigkeit. Auf der Insel ist die Hektik von da drüben nicht mehr zu spüren. Die Armbanduhr könnte man glatt dem Schrankenwärter als Willkommensgeschenk überlassen! Eine grüne Insel, eine Oase mit mehr als 2 Millionen Bäumen tut sich auf. Damwild lugt verstohlen aus dem Dickicht und beobachtet die Neuankömmlinge. Hasen flitzen über die Straßen, Fasane schreiten mit großen Schritten über die Grünflächen, Flamingos ziehen ihre Kreise und Pfaue zeigen, warum jeder einzelne von ihnen der Schönste im Universum ist. Das Auge entdeckt elegante sowie herrschaftliche Villen, bunt gestrichene Reihenhäuschen, eine Kirche, gepflegte Oasen mit Relax- und Wohlfühlstationen mit ergonomischen Holzliegen, Seerosenteiche und interessante Objekte namhafter italienischer Künstler.

Einige Süßwasser-Fjorde durchziehen einen Teil der Insel, in denen manche Feriengäste allzu gerne ihre erste morgendliche Abkühlung vornehmen. Ansonsten sind zum Baden und Sonnen die privaten Pools und Strände erste Wahl. Die Sandstrände haben übrigens Dimensionen, die ihresgleichen suchen. Kilometer lang und oftmals so breit wie ein Fußballfeld lang ist. Teilweise sind sie auch in der Hochsaison fast menschenleer. Nur am hoteleigenen Strand vom 4-Sterne Hotel Capo Nord oder beim Centro Sportivo kann man sich Strandliegen mit Sonnenschirm mieten. Aber auch hier sind die Abstände von Liege zu Liege gewaltig. Jede Liege verfügt über einen Platz von statistisch gesehen über satte 40 Quadratmeter, von Schirm zu Schirm stolze sechs Meter – und das nicht erst seit Virenzeiten! Etwas kleiner und intimer, aber genauso mediterran, geht es beim Strand am „Mare Vostrum“ zu.

Für den kleinen Hunger oder Durst zwischendurch offerieren lässige Beachbars kleine Snacks und Getränke. Und am Ende des Tages einen flotten Aperol bei Sonnenuntergang - und die Welt ist wieder ganz in Ordnung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Bade- und Relax-Tourismus ist die eine Seite der Adria-Insel. Die Andere dominiert der Sport. Es ist eine Sportinsel inmitten der Natur. Boris Becker könnte angesichts der 25 Tennisplätze – teils im Pinienwald - in Freudentränen ausbrechen, Tiger Woods glatt einen „Schlag“-Anfall bekommen, würde er den bereits 1972 von John Dering Harris - im Stil eines klassischen, britischen Linkscours - designten 18-Loch-Golfplatz zwischen Lagune und Strand betreten.

Kann man sportlich noch eine Schippe drauflegen? Ja, man kann! Mit Reiten, Segeln, Bogenschießen, Fitness-Parcours, Fußball, Kitesurfen, Windsurfen, SUP, Minigolf, Tauchen, Angeln, Sportfischen, Basketball, Beach-Volleyball  und Strandtennis. Fehlt da vielleicht dem Sportlerherz noch etwas? Joggen, Nordic Walking sind selbstredend – aber das kann man schließlich auf einem Malediven-Atoll und auf den Seychellen auch. Erwähnenswert ist noch das oben angesprochene Centro Sportivo am Strand mit vier Swimming Pools, wovon einer die Olympianorm erfüllt. Hier ist es auch, wo Kinder und Jugendliche mit Animationen bespaßt werden und Erwachsene mit Aerobic-Tanzübungen ihrem Strandtag eine sportliche Note verpassen. Auch groß angelegte Abendveranstaltungen finden hier statt.

Für die Kleinsten und Kleinen wurde kürzlich „AlbarellaLand“ eröffnet. Dieses Areal mitten in der Natur hat es in sich. Ein ökologisch nachhaltiger Abenteuerspielpark bestehend aus Holztürmen, Piratenbrücken, Wasserstraßen, Holzhäuschen, „Seilbahnen“ und Dschungelpfade, der Strandburgen bauen fast in Vergessenheit geraten lässt.

Tritt unvorhergesehen ein medizinischer Notfall auf, ist die inseleigene Arztstation mit eigenem Krankenwagen sofort zur Stelle. Auch eine Apotheke gehört zum Inventar der Insel.

Obgleich die Isola Albarella ein isolierter, fast schon meditativer und spiritueller Ort ist, von Meeresluft und Liebe allein kann sich kein Mensch ernähren. Aus diesem Grund gibt es die obligatorischen Pizzerien und Fischrestaurants natürlich auch hier. Verbringt man seine Ferien nicht in einem der beiden Inselhotels Capo Nord (schaut aus, wie das Colosseum in Rom) oder Golfhotel, muss man natürlich in der Lage sein, sich selbst zu versorgen. Neben zahlreichen Restaurants trifft man am Centro Commerciale (Einkaufszentrum) auf einen Supermarkt mit einem breiten Sortiment, das essenstechnisch keine Wünsche übrig lässt. Eine wohlfeil sortierte Käse-, Wurst- und Fleischtheke lassen den Gaumen vor Vorfreude tanzen. In das hauseigene Vitello Tonnato möchte man sich am liebsten reinlegen – wenn da nur nicht noch das Porchetta, der Asiago und, und, und wäre. Auch die Weinflaschen können getrost zu Hause bleiben – das Angebot ist recht gut aufgestellt. Im Einkaufszentrum kann man sich zudem beim Juwelier wieder mit einer schicken Armbanduhr eindecken, sollte man sie doch vermissen, im Cafe einen feinen Cappuccino und ein warmes Cornetto zu sich nehmen oder in den Boutiquen mit lässiger Mode oder einem neuen Strandoutfit eindecken. Auf einen schönen Strauß Blumen, ein fein geschnittenes Haupthaar, ein leckeres Eis und die Zeitung muss auch niemand verzichten. Auch die gemütliche, kleine Piazzetta del Mercato bei den Fjorden mit Eisdiele und kleinen Geschäften ist einen Besuch wert.

Neben sporteln und Faulenzen am Strand oder Pool sollte eine Umrundung der Insel mit dem Radl auf dem Plan stehen. Gute 10 Kilometer ist die Runde lang. Die Fahrt geht durch die Lagune, vorbei am Golfplatz und einsamen, wilden, naturbelassenen Stränden. Empfehlenswert ist es auch, eine längere Fahrt hinüber ans Festland, ins Podelta oder nach Chioggia (gerne auch Kleinvenedig genannt) zu unternehmen.

Auch Bootsausflüge beispielsweise nach Venedig werden in der Hauptsaison angeboten.

Hundeliebhaber müssen auch im Urlaub auf ihren Bello nicht verzichten. Die Vierbeiner sind herzlich willkommene Gäste auf der Insel. Und wo gibt es das schon: einen eigenen Hundestrand mit Agilitypark und extra kleinen Hundeliegen unter den Sonnenschirmen. Um sich einen ersten Überblick über die Insel zu verschaffen, sollte man sich gemütlich über die Insel chauffieren lassen. Die Inselbähnchen, übrigens kostenlos, sind dafür wohl die beste Wahl. Unermüdlich drehen sie tagein, tagaus ihre Runden.

Die Isola Albarella ist mit einfachen Worten ausgedrückt alternativlos und einzigartig – für Familien, Naturliebhaber und natürlich für Sportbegeisterte! Man muss tatsächlich nicht unsterblich sein, um ein glückliches Leben zu führen. Ein Urlaub auf Albarella reicht da oftmals schon aus.

Info:

Von München zur Isola Albarella beträgt die Entfernung über die Brennerautobahn 570 km. Über die Tauernautobahn 630 km. Eine wunderschöne Alternative zur Autobahn-Anreise ist eine Fahrt durch die Dolomiten.

Auf der grünen Sport-, Bade- und Familieninsel stehen diverse Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung. Zwei 4-Sterne-Hotels: Das Capo Nord und das Golfhotel, diverse Reihenhäuser, Appartements, Doppel- und Mehrfamilien-häuser mit oder ohne Pool, mit Top- oder zweckmäßiger Einrichtung und luxuriöse Villen. In manchen Häusern können bis zu acht Personen ihren gemeinsamen Urlaub verbringen. Um Ärger bei der Ankunft zu vermeiden, sollte man wissen, dass die Unterkünfte erst ab ca. 17:00 Uhr den neuen Gästen zur Verfügung stehen. Der Check-out ist bis 10:00 Uhr.

Die Rezeption beim Hafen ist zuständig für Check in, Check out und alle Fragen rund um den Aufenthalt in Albarella.

Verbindung in die Außenwelt durch gratis WiFi Albarella.

 

Reisereportage von Frank Heinzl/Martina Kohler